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Ein Blick auf die Uhr sagt mir, daß ich bald Feierabend habe und dann hat der Irrsinn endlich ein Ende, naja, zumindest für Heute. Ich hätte nicht erwartet, das die Tatsache, das ich jetzt die Freundin eines weltberühmten Rockmusikers bin Auswirkungen auf meinen Job hat. Alle und ich meine wirklich Alle, die mir heute begegnet sind haben mich anderes behandelt. So, als ob ich aufeinmal eine völlig andere Person wäre, aber ey Leute, ich bins Sanne. Nichts hat sich geändert wirklich gar Nichts, ok, vielleicht die Kleinigkeit das Oliver Barret im Moment in meinem Bett schläft aber sonst? Nichts! Ich musste sogar Autogramme geben! Wie Absurd ist das bitte?! Irgendwie hatte ich mir das Alles anders vorgestellt. Ich ging echt davon aus das alles noch beim Alten ist wenn ich wieder arbeiten komme, dem ist aber offensichtlich nicht so. Einzig Gerhard behandelte mich wie immer. Mist, verdammt wieviele Ampullen waren das jetzt nochmal? Na toll! Ich atme tief durch und beginne nocheinmal die Fentanylampullen zu zählen. Mein Telefon vibriert in meiner Kasaktasche. Es ist Oz.
" Hey Oz, was gibs denn so dringendes?"
" Ich wollte dich nur auf dem Laufenden halten was ...wie soll ich es sagen...unsere Gespräch von Heute Morgen angeht. Wie nicht anders zu erwarten ist das Thema für Oli nicht vom Tisch und er hat ernsthaft vor...dich zu fragen."
Mir fällt die Kinnlade runter. Kann der Tag echt noch Irrsinniger werden?
" Okeeee....danke für die Wahrung Oz." sage ich und atme tief ein.
" Und wie läuft der Tag bisher für dich sonst so?"
" Der Tag ist bisher sehr Verrückt Oz. Aber das erzähle ich nachher, ich gehe mal davon aus das Oli es auch wissen will und ich hab echt keinen Nerv diesen Irrsinn 2 mal zu erzählen!" Ich höre wie Oz leise lacht.
" Das hätte ich dir sagen können das es Anders sein wird auf Arbeit!"
" Toll, und warum hast du es nicht getan? Ich komme mir heute vor als wenn ich eine Art Alien wäre und mich meine Kollegen noch nie gesehen hätten!"
Oz lacht nun laut und ich bin langsam echt wütend. Ich ziehe einen Schmollmund.
" Kopf hoch Sanne, sie werden sich daran gewöhnen und dann sollte bald alles wieder so sein wie es war. Aber sei dir bewusst, das man dich nun mit jeder Schlagzeile konfrontieren wird. Es wird Hart, ohne Zweifel, aber ich bin felsenfest davon überzeugt das du das packen kannst. Sehe es einfach mal so: du bist jetzt Berühmt. Geniesse es! Du wirst schnell merken das es auch Vorteile hat im Fokus des Interesse zu stehen. Du bekommst jetzt überall sofort einen Tisch und man wird sich um dich reissen, wenn Oli auf die Idee kommt und dich mal zu einem Event mitnehmen möchte. Ach ja, ein Tip: notiere dir schonmal deine Maße!"
Ich höre wie Oz grinst und nun kann auch ich mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Ich atme tief ein.
" Vermutlich hast du Recht und ich sehe es im Augenblick nur ein wenig zu Eng. Aber genug davon, ich hab bald Feierabend und muss noch einiges Erledigen. Nochmal danke Oz, für die Wahrnung. Ich bin gespannt ob Oli da heute schon was sagen wird."
Wir beenden das Gespräch und aufeinmal fühle ich mich gar nicht mehr so genervt. Womöglich seh ich das wirklich Alles zu verbissen und sollte die Aufmerksamkeit die mir jetzt zu Teil wird, einfach mehr geniessen.
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Als ich mit dem Leihwagen vor dem Krankenhaus ankomme ist es 14.20 Uhr. Ich hab also noch etwas Zeit den Vormittag Revue passieren zu lassen. Das Training mit Oz lief relativ entspannt ab und er hatte echt gute Ideen was ich Sanne zum Valentinstag, der ja am Donnerstag ist, schenken könnte. Ich hab mich für ein goldenen Herzanhänger mit eingraviertem Bild entschieden. Da Oz ja etlich Fotos von Sanne und mir bei unserer Sightseeingtour gemacht hat, fanden wir auch schnell ein sehr schönes Motiv. Das Bild zeigt uns, wie sie sich an meiner Brust anschmiegt und ich mit meiner Hand ihren Kopf an mich drücke. Wir beide sehen auf diesem Bild so glücklich aus und es steht für diese gemeinsamen ersten Tage. Es ist manchmal schon toll Oliver Barret zu sein. Der Juwellier machte sich sofort an die Arbeit und satt einen Tag zu warten hatte ich den Anhänger innerhalb einer Stunde.
Für ihre Eltern habe ich auch noch etwas besorgt. Einen riesigen Blumenstrauß für ihre Mutter und für ihren Vater eine Flasche exquisiten Wein. Ich habe zwar keinen Schimmer ob ihr Vater Wein trinkt aber ein edler Tropfen wird selten verwehrt. Ich bin nervös, die Frage ist nur ob es wegen dem Besuch bei ihren Eltern ist oder wegen der blöden Idee mit dem Dreier. Ich habe, wenn ich ehrlich bin, den ganzen Vormittag versucht Worte zu finden um Sanne das zu erklären und auszuloten ob sie zu sowas bereit ist. Ich weiß auch nicht wirklich warum ich das so forcieren muß. Es kommt mir fast so vor als versuche ich es mit der Kopf-durch.die-Wand Methode, aber warum? Hätte das nicht noch Zeit? Warum will ich das unbedingt? Warum jetzt? Was erwarte ich davon? Du Arsch, du weißt ganz genau warum du das JETZT willst! meldet sich lautstark mein Unterbewusstsein zu Wort. Und es hat Recht! Ich will verdammt nochmal wissen ob mein Traum von heute Nacht der Realität standhalten kann.
Ich sehe wieder auf die Uhr und es ist 14.30 Uhr. Ich entschliesse mich aus dem Wagen auszusteigen, da Sanne nicht erwartet das ich mit dem Auto komme. Es weht ein kalter Wind und vereinzelt fallen einige Schneeflocken. Ich blicke zum Haupteingang und sehe, das Sanne das Krankenhaus verläßt. Sie erblickt mich sofort und auf ihrem wunderschönen Gesicht macht sich ein Lächeln breit. Trotzdem wirkt sie genervt. Als sie mich erreicht schlingt sie ihre Arme um meinen Hals und murmelt:
" Schaffe mich bitte ganz schnell, ganz weit weg von hier!" Ich schmunzel und küsse ihr sanft auf die Stirn.
" Das mache ich sehr gerne!"
Ich halte ihr die Beifahrertür auf und sie läßt sich mit einem lauten Seufzer in den Sitz sinken. Als ich sitze und den Motor starte, sehe ich sie amüsiert an.
" So schlimm?"
" Sehr schlimm, ja...aber lass uns nachher drüber reden, ich behaupte mal das Oz das auch wissen will und ich hab keine Lust das zweimal zu erzählen."
Ich ergreife ihre Hand und hauche ihre einen Kuss auf ihre Fingerknöchel. Ich kann mir nur allzugut Vorstellen wie das heute für sie gewesen sein muss. Und ich bewundere sie dafür, das sie trotzdem noch relativ entspannt hier neben mir sitzt.
" Bereit für deine Eltern?" Sie nickt und schaltet das Autoradio an. Gotye läuft und fast augenblicklich ist zu spüren wie Sanne die Anspannung des Tages hinter sich läßt.
" Ich hab überrings den Dienst getauscht. Ab Morgen muss ich von 12 bis 20 Uhr Arbeiten. Im Spätdienst ist eine Kollegin ausgefallen und ich helfe mit dem Zwischendienst aus. Von daher können wir uns bei meinen Eltern Zeit lassen, falls du es möchtest."
" Wie du möchtest. Ich richte mich ganz nach dir. Ich weiß ja nicht wie Müde du bist nach deiner Arbeit. Immerhin bist du ja schon in aller Herrgottsfrühe aufgestanden, während ich schlief und ..." ich verstumme.
" Während du schliefst und..?" Verdammt, warum hakt sie jetzt nach? Ich spüre wie mir eine leichte Röte ins Gesicht steigt. Ich schlucke. Fuck, was nun?
Sanne sieht mich erwartungsvoll an und ich atme tief ein. Ok...jetzt oder nie!
" Nichts weiter, ich hatte nur so einen sau blöden Traum." Sanne hebt die Augenbrauen.
" Ein Alptraum?" Ich muss lachen.
" Nein, kein Alptraum...hoff ich zumindest." Jetzt sieht mich Sanne irritiert an.
" Wie kannst du nicht wissen ob es ein Alptraum war?"
" Es kommt, denk ich, auf die Perspektive an. Ich fand den Traum heiß, richtig heiß, so heiß, das ich im Schlaf gekommen bin." Ich schmunzel bei der Erinnerung daran.
" Ok, zum Thema Träume: erotische Träume sind keine Alpträume!" konstatiert Sanne mit einem breiten Grinsen.
" Willst du nicht langsam losfahren oder wollen wir uns über deinen erotischen Traum unterhalten?" fragt sie und sieht mich amüsiert an. Jetzt erst bemerke ich das ja der Motor schon eine Weile läuft.
" Ehrlich gesagt würde ich gerne darüber reden."
" Ok, lass uns aber erst zu meinen Eltern fahren, da gibs einige Parkmöglichkeiten wo wir uns einigermaßen ungestört unterhalten können." Sie greift zum Navi und gibt die Adresse ihrer Eltern ein und ich folge den Anweisungen. Nach wenigen Minuten haben wir auch schon die Straße erreicht und ich parke den Wagen etwas Abseits und stelle den Motor aus.
Sanne schnallt sich ab und wendet sich mir zu. In ihren steht die Neugier geschrieben und sie grinst mich frech an. Oh Baby, wenn du wüsstest!
Ich bin jetzt echt nervös und fahre mit meiner Hand durch mein Haar. Sanne runzelt die Stirn. Ich blicke sie erstaunt an und verdrehe die Augen.
" Ich kann dieses Stirnrunzeln echt nicht mehr sehen!" Sanne lacht hörbar auf.
" Dann höre auf dich so merkwürdig zu verhalten!"
" Ich verhalte mich merkwürdig?" Ich sehe sie verwirrt an. Sie nickt.
" Oliver, du hast vermutlich mehr Sex in deinem Leben gehabt wie der Durchschnittsmann, aber ein simpler erotischer Traum macht dich nervös? Das Oliver, ist mehr als merkwürdig!"
" Tja, du hast ja keine Ahnung worum es in meinem Traum ging!" Sanne fällt die Kinnlade runter.
" Ok, jetzt hast du mich neugierig gemacht!"
" Der Auslöser für den Traum war wohl die Tatsache das ich gestern Abend etwas ... Streß...nein Streß ist nicht das richtig Wort...wie soll ich das sagen... . Kennst du das wenn man jemanden aufeinmal mit anderen Augen sieht? Dann kommen einem auf einmal Gedanken in den Kopf, die vorher nicht da waren. Seid ich weiß das Oz ein Sexleben hat nehm ich ihn anders wahr, keine Ahnung warum. Gestern jedenfalls hab ich ihn ...gemustert...oder besser taxiert, was er natürlich mitbekommen hat. Das Ansich ist jetzt nicht das Problem, vielmehr das was er so nebenbei sagte. Er meinte das es völlig ok wäre wenn ich ihn jetzt anders wahr nehme und ich mir keine Vorwürfe zu machen brauche, das mir sein Sexleben vorher egal war. Er sagte das es in einer Freundschaft egal ist, also der sexuelle Status, ausser ... man plant einen in einem Dreier mit ein zu beziehen." Die letzten Wörter kommen als ein Flüstern aus meinen Mund.
Ich sehe Sanne an, die regungslos meine Erläuterungen zugehört hat. Sie zuckt die Schultern.
" Oli, ich seh da bisher noch keinen Grund warum du so nervös bist. Da muss noch was kommen oder?" Ich nicke unsicher.
" Der Spruch mit dem Dreier hat mich so verwirrt, das ich seitdem an Nichts anderes mehr denken kann."
" Geh ich Recht in der Annahme, das du noch nie einen Dreier hattest?" Ich sehe Sanne verblüfft an und nicke. Wow, die Frau ist echt cool. Nichts scheint sie aus der Fassung zu bringen. Ich entscheide mich mutig weiter zu erzählen.
" Der Traum, den ich hatte...da hatte ich einen Dreier. Und ich fand das richtig heiss."
" Kann ich mir lebhaft vorstellen. Was mich dabei aber interessieren würde...wie sah die Zusammensetzung aus? " Ich schlucke und blinzel nervös. Sanne sieht mich neugierig an und ich sehe wie sich ihre Pupillen weiten. Shit, bitte seh mich jetzt nicht so an!
Ich atme tief ein, schliesse für einige Momente meine Augen und versuche mich zu sammeln.
" Es waren zwei Männer und eine Frau." Sanne sieht mich erstaunt an.
" Ok, das Träumen ehr Frauen." merkt Sanne an. Ich grinse.
" Das hat Oz gestern Abend auch gesagt, also das dieses Szenario ehr Frauen vorschwebt."
" Aus deinem Traum könnte man aber schliessen, daß du ehr der Art Liebhaber bist der bestrebt ist, der Frau soviel Vergnügen zu bereiten wie möglich. Oder kam es in dem Traum zu homoerotischen Handlungen?" Wie bitte? Fuck, natürlich nicht!
" Natürlich nicht!" rufe ich entsetzt aus. Sanne hebt beschwichtigend ihre Hände in die Höhe.
" Ok, ok, war ja nur ne Frage." sie schmunzelt.
" Ehrlich Oli, ich erkenne aber immer noch nicht was dich daran so verwirrt und nervös macht. Solche Träume, Fantasien sind völlig normal."
" Wenn du weißt wer die Beteiligten in meinem Traum waren siehst du das womöglich etwas anders."
" Wer waren denn die Beteiligten?" Atme Oli, atme.
Ich hole tief Luft und spüre wie mein Herz anfängt hektisch zu schlagen.
" Ich, logischerweise... Oz und....du."
Sanne sieht mich erstaunt an. Ich glaube ein belustigtes Funkeln in ihren Augen zu sehen, kann es aber nicht beschwören.
" So, so...ich war da also der weibliche Part. Gut für dich. Man ich wäre stinksauer wenn da eine andere Frau die Hauptrolle gehabt hätte." sagt Sanne und sieht mich herausfordernd an. Ich bin völlig sprachlos und starre sie mit offnem Mund an.
" Wie jetzt? Es stört dich nicht das ich davon Träume solange du dabei bist?" Sanne grinst übers ganze Gesicht.
" Erotische Träume hat jeder, Oli, und ich finde es wunderschön das ich auch in diesen Träumen eine Hauptrolle spiele. Ich würde mir ernsthaft Sorgen machen, wenn dem nicht so wäre. Die Frage die sich aber stellt ist die: in wie Weit willst du diese Fantasie leben?"
Ihre Offenheit entwaffnet mich total. Plötzlich sehe ich es ganz klar vor mir: mit dieser Frau, mit Sanne, kann ich wirklich Alles teilen, sogar sexuelle Fantasien.
" Ich würde schon gerne diese Fantasie wahr werden lassen."
" Und mich mit deinem besten Freund teilen?" Ich schlucke und nicke vorsichtig.
" Und du bist nervös, weil du nicht weißt ob ich da mitmachen würde?" Ich nicke wieder.
Sanne sieht mich liebevoll an und streicht mir sanft übers Gesicht. Sie beugt sich vor und küsst mich zärtlich auf dem Mund.
" Laß uns nachher weiter reden. Immerhin gehört da noch eine dritte Person zu, die davon noch Nichts weiß. Aber eins noch Oli: für dich wäre ich zu Allem bereit, zumindest was im Rahmen des Erlaubten ist." sagt sie und zwinkert mir zu.
Wir steigen aus dem Wagen. Ich nehme noch die Mitbringsel vom Rücksitz und dann gehen wir Hand in Hand zum Wohnhaus ihrer Eltern. Als wir klingen wird uns sofort geöffnet. Sanne schmunzelt.
" Meine Mutter hat bestimmt ganz ungeduldig am Fenster gestanden und nach uns Ausschau gehalten." Ich lache und bin mir ziemlich sicher das das alle Mütter machen. Ihre Mutter begrüßt uns auch direkt an der Wohnungstür und sieht mich überrascht an.
" Gott, wie groß sind sie?"
" Ich bin 1,96 Meter groß, Frau Krüger." antworte ich und schenke ihr mein schönstes Lächeln. Sannes Mutter muss darauf hin nach Luft schnappen.
" Nennen sie mich doch bitte Anna." bitte sie mich und diesen Wunsch erfülle ich ihr doch gerne.
" Nur wenn sie mich Oliver nennen." Sie lacht und nimmt mich herzlich in die Arme. Eins ist mehr als deutlich: die offene, freundliche und herzliche Art hat Sanne definitiv von ihrer Mutter, während ich mit erstaunen feststelle, das sie vom Aussehen ehr nach ihrem Vater kommt. Ihr Vater ist ein ruhiger Mitmensch, der mich zwar freundlich begrüßt aber mich doch skeptisch mustert. Ok, Oli, das wird nicht einfach den Vater von deinen Qualitäten zu überzeugen! Anna führt uns ins Wohnzimmer, was zu meiner Überraschung nicht mit Kiefermöbel voll gestellt ist. Der Raum ist ehr in Mahagoniefarben gehalten. Wir machen uns es um den Esstisch bequem, wo ein selbstgebackener Kuchen steht. Anna ist die Nervosität anzumerken und sie versucht das mit schnellem Gerede zu kaschieren. Sanne blickt mich an und formt mit ihren Lippen ein stummes Sorry. Ich ergreife ihre Hand und drücke sie sanft und lächel sie sanft an. Ihr Vater beobachtet uns und richtet aufeinmal das Wort an mich.
" Sie sind also ein Rockstar?"
" Ja, Herr Krüger, das bin ich."
" Und da haben sie Zeit für eine feste Freundin?"
" Papa!" fährt Sanne ihn an. Ihn läßt das aber kalt, sein Blick ruht weiter auf mich und ich fühle mich unweigerlich an das Gespräch mit Dr. Hoffmann zurück erinnert. Ich halte seinem Blick stand und versuche zu lächeln.
" Zeit ist durchaus ein wichtiger Faktor in meinem Beruf, Herr Krüger. Es wird vorkommen das ich ihre Tochter manchmal Monatelang nicht sehen werde, weil ich mit meiner Band, Solitary Brave, auf Tour bin. Es wird aber auch Zeiten geben, da werde ich Monatelang tagtäglich bei ihr sein. Ich weiß, das ich alles tun werde was in meiner Macht steht und die Zeit, die wir gemeinsam haben, für Sanne unvergesslich machen werde. Paare haben normalerweise 365 Tage im Jahr, bei uns wird sich das erheblich reduzieren aber Nichts desto trotz werden diese, relativ wenigen Tage, für uns beide die schönsten Tage sein."
" Meine Tochter liegt mir sehr am Herzen, Herr Barret und sie können versichert sein, das ich, falls ich das Gefühl habe, das es ihr wegen ihnen schlecht geht, ich ihnen die Hölle heiß machen werde. Ich bin der Meinung das meine Tochter was Besseres verdient hat als einen Rockstar, der bisher nicht gerade mit ...wie soll ich es ausdrücken... Kontinuität glänzte. Es mag sein das sie viel Geld haben aber wie sie bereits gemerkt haben dürften ist das für Sanne unrelevant. Für sie zählt Zuverlässigkeit und Treue weit mehr als die Stellen vor dem Komma eines Kontoauszuges. Sind sie treu, Herr Barret?"
" Ich würde Lügen wenn ich das sofort ohne zögern bejahen würde. Bisher war ich in meinen Beziehungen, es waren 3, nicht wirklich treu und es gibt Nichts mit dem ich es entschuldigen könnte. Ich kann sie nur, genau wie auch Sanne, um Vertrauen bitten und das sie mir Glauben schenke, wenn ich ihnen sage, das das mit ihrer Tochter was völlig Anderes ist, als es mit den drei vorherigen Beziehungen war. Zum erstenmal in meinem Leben will ich Treu sein, will ich das sie die Einzige ist, in jeder Beziehung." Ich wende in der ganzen Zeit meinen Blick nicht ab und ich merke das ihr Vater das zu beeindrucken scheint.
Sanne rutscht unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, ich weiß das dieses Kreuzverhör ihres Vaters ihr peinlich ist. Ich hab mir vorgenommen nicht zu schnell Klein bei zu geben, da ich spüre das ihr Vater, der mir noch immer nicht angeboten hat ihm beim Vornamen zu nennen, bei einem Mann Stärke und Integrität schätzt. Ich danke innerlich meiner Mutter, die immer viel Wert auf Anstand und Benehmen gelegt hat, das mir, heute, hier, in diesem Gespräch gerade zu Gute kommt.
" Würden sie für Sanne die Band verlassen?" Wow, jetzt fährt er schwere Geschütze auf. Ich spüre wie neben mir Sanne die Luft anhält und auch Anna fällt die Kinnlade runter.
" Nein, Herr Krüger, das würde ich nicht tun!" Ihr Vater sieht mich mit erhobenen Augenbrauen an.
" Die Band, die Musik ist mein Leben. Das weiß Sanne, das war von Anfang an klar. Ich behaupte sogar, das Sanne nie im Leben das von mir verlangen würde. Sie weiß, das, wenn ich wegen ihr, weil sie es will die Band verlasse, daran auch unsere Liebe zerbrechen würde. Wir beide wissen das es nicht leicht wird, aber wir vertrauen einander und das ist das Einzige was zählt. Ich bin meiner Band gegenüber 100% loyal und ich werde auch Sanne gegenüber loyal sein. Glücklicherweise hat mein Beruf auch einige Vorteile. Ich kann alle Termine so anpassen das mir genug Zeit bleiben wird wenn wichtige Ereignisse anstehen sollten, wie zB eine Hochzeit, oder aber auch Geburten. Im Augenblick muss ich, leider, meine Beziehung zu Sanne noch hinten anstellen, weil Konzerte schon geplant sind, die sich nur sehr schwer verschieben lassen. Aber bei zukünftigen Planungen werde ich selbstverständlich Sannes Bedürfnisse berücksichtigen. Ich will das sie glücklich ist, weil genau das auch mich glücklich macht, aber nicht um jeden Preis. Die Band ist so ein Punkt. Sanne weiß das es mich nur mit dem gesamten Paket gibt und nicht nur den Privatmenschen!"
Ihr Vater atmet hörbar ein. Sein Blick erscheint mir jetzt freundlicher. Ich sehe ihn noch immer an. Er lächelt und blickt dann zu Sanne.
" Er weiß was er will!"
Ich sehe zu Sanne, die ihren Vater anstrahlt.
"Ja Dad, das weiß er und genau so will ich ihn und nicht anders."
Ihr Vater sieht mich wieder an und lächelt mir freundlich zu.
" Ich bewundere es, wenn Männer einem Blick standhalten können. Noch bemerkenswerter ist es, wenn man das auch noch kann unter einem Verhör. Sie haben eine sehr starker Persönlichkeit, Oliver und sie besitzen Integrität, das ist heut zu Tage leider sehr selten. Ich bin mir ziemlich sicher das sie meine Tochter glücklich machen können, wenn sie es wollen und darauf baue ich jetzt einfach mal. So und jetzt lasst uns endlich den Kuchen essen, den Anna extra ihretwegen gebacken hat. Ach und Oliver.... nenne sie mich bitte Bernd."
Während Anna uns den Kuchen und den Kaffee serviert lächel ich Bernd offen an und spüre, das ich die Festung erobert habe. Sanne streicht mir sanft über den Arm und ich sehe sie an. Ihre Augen strahlen mich an und ich verliere mich wieder in ihnen. " Mein Dad mag dich." flüstert sie mir leise zu und ich beuge mich zu ihr und küsse sie sanft auf den Mund.
Die Zeit vergeht wie im Fluge. Ich frage Bernd wie er das mit dem Wäscheschrank hinbekommen hat und er berichtet jede Einzelheit. Ich weiß sofort das er es liebt sich handwerklich zu betätigen. Etwas, was mir total abgeht. Anna präsentiert, zu Sannes entsetzen, ein Familienfotoalbum und erzählt einige Storys aus Sannes Kindheit. Man merkt wie sehr Anna ihre Tochter liebt und wie stolz sie auf sie ist. Wir reden viel und Lachen noch mehr. Nach einiger Zeit spüre ich das ich adoptiert wurde. Ja, sie sehen mich als ihren zukünftigen Schwiegersohn an und eigenartiger Weise macht mich das sehr Stolz.
Als wir uns gegen 19 Uhr verabschieden drückt mich Anna fest und auch Bernd klopft mir freundschaftlich auf die Schulter. Als wir zum Auto gehen sehen wir, das beide oben am Fenster stehen und uns hinter her winken. Diese Szene hat soviel Wärme und Liebe das mir ganz warm wird ums Herz.
Als wir im Auto sitzen atmet Sanne tief durch. Ich sehe sie erstaunt an.
" Hattest du Angst das dein Vater mich zum Kuchen verspeisen könnte?" frage ich scherzhaft. Daraufhin muss Sanne schallend lachen.
"Nein, nicht wirklich, ich hatte ehr die Befürchtung das es dir zu Viel sein könnte." Ich lächel wissend. " Ich wusste was mich erwartet als ich zugesagt habe das du mich deinen Eltern vorstellst. Deine Mutter hatte zuviel Druck ausgeübt auf dich und daher war mir das klar das sie in erster Linie erfahren wollten mit was für einem Typen sich ihre Tochter da eingelassen hat. Ausserdem hab ich gleich zu Anfang gesehen das deine Eltern einen PC haben und ich halte jede Wette das dein Vater sich über mich informiert hatte." Sanne sieht mich lächelnd an.
"Das kann gut Möglich sein." sagt sie und küsst mich bevor sie sich anschnallt. Während der Heimfahrt ziehe ich sie noch mit einigen Kindheitsanekdoten auf, worauf sie mich spielerisch an meinem Oberarm knufft. Als ich lachend zu ihr Blicke zieht sie einen Schmollmund der mir die Sinne raubt. Fuck, wenn sie das öfters macht....man, das könnte sie glatt als Waffe gegen mich einsetzten. Bis jetzt dachte ich das ich Immun bin was weinende oder schmollende Frauen angeht, aber nein, selbst das ist mit Sanne anders. Dieser Schmollmund bewirkt bei mir das ich wie Wachs bin in ihren Händen. Egal was sie jetzt verlangen würde, ich würde das auf der Stelle tun!
" Mach das nicht." sage ich zu ihr. Sie sieht mich mit großen Augen fragend an.
"Was soll ich nicht machen?"
" Einen Schmollmund machen."
" Und warum nicht?"
" Weil ich dann vor dir kapituliere und du mit mir machen kannst was du willst!"
Sanne kichert. Oh Gott, diese Frau bringt mich noch um.
" Du machst also immer wenn ich so mache" sie macht einen Schmollmund den die Welt noch nicht gesehen hat, " alles was ich will?" hakt sie nach und sieht mich mit einem Blick an den ich im Dunkeln nicht richtig deuten kann, zudem ich mich ja noch auf den Straßenverkehr konzentrieren muß, was zugegebender Weise im Augenblick verdammt schwer ist.
" Ich mache jetzt Gebrauch von meinem Aussageverweigerungsrecht!" Sanne lacht schallend los und wir lachen auch noch als wir bei ihr ankommen.
Überraschender Weise kommt uns im Treppenhaus Marika entgegen, die uns eilig begrüßt und sich dann von Dannen macht mit den Worten: " Wartet nicht auf mich, werde heute wohl auswärts übernachten!" Ich sehe Sanne an und sie zuckt nur mit den Schultern. Als wir die Wohnung betreten ist Oz am telefonieren und beendet, als er uns sieht, sofort das Gespräch. Verdammt, mit wem ist er zusammen? Warum macht er da so ein riesen Geheimnis drum?
Oz interessiert sich natürlich dafür, wie es Sanne heute auf Arbeit ergangen ist und will auch jede Einzelheit über den Besuch bei ihren Eltern wissen. Doch Sanne wiegelt ab.
" Ich möchte mir nur was bequemes anziehen und dann gerne mit euch eine Flasche Wein trinken. Arbeit und Eltern müssen jetzt mal warten, ich will mich amüsieren und herausfinden wozu mein Schmollmund" , sie zieht wieder einen Schmollmund der mich schwach werden läßt, " sonst noch so gut ist!" sagt sie und läßt mich und Oz im Wohnzimmer stehen.
Oz schüttelt den Kopf. " Hast du kapiert was sie gerade gesagt hat?" fragt er und sieht mich irritiert an.
" Oh ja, leider viel zu gut kapiert." raune ich und ich spüre wie mir heiss wird.
Oz wirkt nun unsicher. " Du hast sie doch nicht etwa gefragt, oder?" Ich sehe ihn an und schmunzel.
" Doch Oz das habe ich und sie ist nicht abgeneigt." Ich sehe wie Oz schwer schluckt und sehe zu meiner Verblüffung das er errötet. "Will sie deswegen mit uns Wein trinken?" " Keine Ahnung Oz, wir haben seit wir bei ihren Eltern waren nicht mehr drüber gesprochen. Lassen wir uns doch beide einfach mal überraschen was passiert. Ich hab jedenfalls nichts geplant." Wir hören in der Küche Gläser klappen und kurz darauf erscheint Sanne im Wohnzimmer. Sie hat sich eine Jogginhose angezogen und als Oberteil trägt sie nur ein Top. Sie stellt die Flasche und die Gläser ab und setzt sich im Schneidersitz aufs Sofa, genau in die Mitte, so das Oz und ich links und rechts neben ihr sitzen. Sie grinst und nun werd auch ich nervös. " Wer von euch ist der Korkenzieherprofi?" fragt sie wimperklimpernd. Oz meldet sich freiwillig und macht sich sofort ans Werk die Flasche zu entkorken. Nachdem er unsere Gläser gefüllt hat setzt er sich wieder aufs Sofa. Sanne sieht uns nacheinander an und fängt an zu grinsen.
" So, Oz, mich würde es interessieren wie du zu dem Thema stehst, das seit gestern Abend anscheinend ganz oben auf Olis Liste steht." Oz sieht Sanne nervös an. Er schluckt.
" Was genau meinst du?" Sanne schmunzelt.
" Dem Dreier?!"
Oz zieht scharf die Luft ein und genehmigt sich einen großen Schluck Wein. Ich tue es ihm gleich und spüre, das mein Herzschlag sich beschleunigt. Sanne blickt Oz unverhohlen an.
" Es tut mir echt leid, das ich ihn mit meinem blöden Spruch so verwirrt habe."
" Oli scheint es nicht leid zu tun. Ehr im Gegenteil, er zieht das wirklich in Erwägung, denn er fragte mich vorhin, wie ich dazu stehe. Weiß du Oz, ich würde alles für den Mann tun, den ich so unsagbar liebe, also zumindest Alles was erlaubt ist. Ich nehme an, du weißt welche ...Zusammensetzung... in seiner Fantasie vorkam?"
Oz nickt. " Yup, ...wir drei."
" Nun stellt sich die Frage: wie stehst du dazu Oz?"
Ich sehe wie Oz Kiefermuskeln arbeiten. Er hält seinen Blick starr auf das Weinglas in seiner Hand gerichtet. Er scheint nach Worte zu suchen. Plötzlich hebt er seinen Kopf, blickt erst mich und dann Sanne an. In seinem Blick ist Entschlossenheit zu erkennen. Ich spüre wie mein Mund trocken wird und nehme einen Schluck Wein.
" Oli bedeutet mir mehr als ich es in Worte fassen könnte. Ich würde für diesen Mann sogar töten. Und ich geb es gerne zu: ich habe schon oft an einem Dreier mit ihm gedacht und das weiß er auch. Ich befürchte aber das es unsere...Beziehung...verändern könnte und das könnte ich nicht ertragen."
Verdammt, daran hab ich ja bisher noch gar nicht gedacht! Verändert sich nach einem Dreier Alles?
Ich schlucke und spüre wie sich eine Unsicherheit in mir breit macht.
" Selbstverständlich wird sich euer Verhältnis verändern, wie auch unser Verhältnis sich verändern wird." sagt Sanne ernst.
Ok, das ist genau das was ich nicht hören wollte!
" Ich bin mir meiner Gefühle, meiner Liebe für Oli 100% bewusst. Daran wird auch ein Dreier Nichts ändern. Wichtiger ist es, Oz, wie deine Gefühle aussehen. Ich weiß das du verliebt bist, was ich aber nicht weiß ist, wie tief diese Gefühle sind und ob sie stark genug sind etwaige... Gefühlsverwirrungen... zu beherrschen. Oz, ich bin mir ziemlich sicher das du mich magst, was mich schmeichelt, aber ich Sorge mich darum das daraus, nach einem erotischen Intermezzo, mehr werden könnte, deinerseits. " Oz lächelt.
" Meine Gefühle für meine Freundin sind sehr stark, Sanne. So stark, das ich sie vorhin sogar angerufen hab und...vorgewarnt habe...was ihr...logischer Weise nicht gefallen hat. Aber sie kann es verstehen und würde es akzeptieren, wenn es eine Einmalige Sache ist."
" Gut. Dann steht dem eigentlich Nichts mehr im Wege!" sagt Sanne und verteilt den restlichen Wein in unsere Gläser. Sie prostet uns zu und nimmt einen großen Schluck Wein. Sie sieht sehr zufrieden aus, während ich und so wie es aussieht auch Oz, irritiert sind.
" Wie? Wars das jetzt?" frag ich verwirrt und sehe Sanne fragend an. Auf ihrem Gesicht macht sich ein Grinsen breit und ihre Augen lodern.
" Immer mit der Ruhe, der Abend ist noch jung und ausserdem will ich ersteinmal den Wein mit euch geniessen. Mir ist ausserdem klar daß das Gespräch euch, vermutlich, erregt hat und ich will, das ihr euch fürs Erste wieder... abkühlt. Ich will ja davon auch was haben und ich befürchte das es im Augenblick ein verdammt kurzes Vergnügen wäre, von daher... entspannt euch und lasst euch überraschen."
Shit, sie plant uns zu verführen! Verdammt!
Sanne lächelt verschwörerisch und beginnt jetzt ganz trocken über ihren Arbeitstag zu berichten. Mich erstaunt es, das sie so Naiv war zu denken, das alles beim Alten sein würde. Der Tag heute hat sie eines Besseren belehrt. Ich kenne die Reaktionen der Menschen in meiner Umgebung nur zu gut aber für Sanne ist es absolutes Neuland. Oz und ich geben ihr einige Tipps wie sie damit umgehen kann und versuchen ihr klar zu machen, das es sich in einigen Tagen normalisiert haben wird.
Ich stelle fest das Sanne zu dem eine tolle Schauspielerin abgeben würde, sie stellt teilweise die Situationen mit ihrer Mimik und Gestik so witzig dar, das Oz und ich nach einigen Minuten uns vor Lachen förmlich ausschütten. Obwohl ich die Kollegen nicht kenne bin ich mir ziemlich sicher, das ich sie auf Grund der lebhaften Schilderungen von Sanne, sofort erkennen würde. Sanne scheint dem Arbeitstag nun auch etwas Lustiges abgewinnen zu können, denn auch sie lacht nun aus vollem Herzen.
Nach einer Weile erhebt sich Sanne und will das Wohnzimmer verlassen.
" Ich hole uns noch eine Flasche Wein und mir eine Kleinigkeit zu Essen. Hat einer von euch einen Wunsch?" Oz und ich schütteln beide mit dem Kopf und Sanne geht in die Küche. Nach kurzer Zeit kehrt sie mit einer weitern Flasche Wein und einer Banane zurück. Sie reicht Oz den Wein, den er sofort öffnet und unsere Gläser füllt.
Sanne hat sich wieder zwischen uns gesetzt und beginnt ganz langsam die Banane zu schälen. Ihr Blick ist auf die Banane gerichtet und sie leckt sich über ihre Lippen. Ich muss schlucken und ich sehe das auch Oz Sanne wie gebannt beobachtet. Nachdem sie die Banane geschält hat schiebt sie die langsam in ihren Mund und stülpt ihre sinnlichen Lippen sanft über die Banane. Man erkennt nur zu deutlich, das sie daran sanft saugt, die Banane wieder langsam einen Stück aus ihrem Mund zieht um dann, am Ende oben ein kleines Stück abzubeissen. Jetzt blickt sie Oz und mich abwechselnd an und lächelt lasziv.
Fuck! Sie will uns jetzt verführen! Hilfe!
Kapitel 10
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